Fahrt der Junglandwirte nach Luzern

Am 18.3.2015 machten sich 25 Junglandwirte aus Ostfriesland und Bakum in Begleitung von Mitarbeitern der jeweiligen Erzeugergemeinschaft und Mitarbeitern des Beratungsrings auf den Weg von Hannover nach Luzern in die Schweiz. Als Organisatorin und Begleiterin war Anke Gardemann mit von der Partie.

Nach gut acht stündiger Bahnfahrt kamen alle gesund und munter an und erkundeten bei einem Fußmarsch zum Hotel, erste Teile der fantastischen Innenstadt von Luzern und dem Vierwaldstättersee der direkt vor dem Bahnhofgelände verläuft.

Der nächste Tag begann nach dem Frühstück mit einer Fahrt zur SUISAG, dem Dienstleistungszentrum für die Schweineproduktion und der Suisseporcs, dem schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband  in Sempach. Dort wurden wir sehr herzlich von Henning Luther (Geschäftsführer der SUISAG) und Markus Käppeli (Suisseporcs) empfangen. 

Markus Käppeli stellte uns die Suisseporcs in all ihren Facetten vor. Hauptaufgabengebiete sind die Information, Beratung und Schulung der Schweinehalter in allen relevanten Fragen der Schweineproduktion, der Schweinegesundheit und des Marktes, z.B. wird die Notierung hier gemacht für die Jager (Ferkel bei uns!)  

Die Suisseporc tritt auch als Interessenvertretung gegenüber Gesetzgebern, Verwaltungen, politischen Interessengruppen, Handelspartnern und Konsumenten. Richtung Endverbraucher und Konsument werden große Marketingmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit rund um das Schweinefleisch unterstützt und initiiert.

Nach einer Kaffeepause referierte Hennig Luther über die SUISAG und deren Bedeutung für die Schweizer Schweineproduktion. Bei der SUISAG kann der Landwirt alles kaufen, was er für die Schweineproduktion benötigt: Jungsauen, Eber, Sperma, Equipment jeglicher Art usw. 

Hier werden alle Reproduktionsdaten von den Herdbuchbetrieben erfasst, Feldprüfungen mit Ultraschallmessung durchgeführt, Mastleistungen erfasst und Qualitätsmerkmale mittels Fett- und Fleischlabor ermittelt. Im Anschluss an seinen Vortrag haben wir die Schlacht- und Mastleistungsprüfungsstation besichtigt.  Die SUISAG macht auch noch etwas sehr besonderes: sie strebt an den Anteil der resistenten Schweine in der Schweiz durch Berücksichtigung des CF18- (Colibakterien des Fimbrientyps 18) Genotyps - insbesondere bei der KB-Eberauswahl - langfristig und kontinuierlich zu erhöhen. Damit sind die Schweizer vielen anderen Zuchtunternehmen sehr weit voraus! 

Nachmittags besuchten wir dann „die Genossenschaft" der Schweiz „Landi“. Hier wurden wir vom Geschäftsführer Cornel Fleischlin und seinen Mitarbeitern sehr freundlich empfangen und nach einem interessanten Vortrag über die Futtermittelindustrie in der Schweiz und deren Problemen mit dem EU Ausland, sowie QS, QM und vielen Unterschieden zwischen der Schweiz und der EU ging es gemeinsam mit den Mitarbeiter auf eine interessante Rundreise durch die Genossenschaft.

Die Landi Sempach wurde 2014 komplett kernsaniert und alles modernisiert. Angefangen bei  der Verladung, der Steuerungszentrale, über die Dosier- und Lagerzellen, der Doppel-Vertikalmühle, bis hinauf in den Turm der uns einen fantastischen Blick über Sempach und den Sempachersee bescherte.


Zum Abschluss des interessanten und abwechslungsreichen Tages wurden wir bei den „Landis“ auf eine Brotzeit eingeladen!

     

Am Freitagmorgen brachte uns der Bus zum Betrieb Hugo Heller in Ruswil. Dort wurden wir von der kompletten Familie sehr herzlich mit Kaffee und Kuchen empfangen. Nach einer kurzen Vorstellung des Betriebes ging es in den Stall. Dort sahen wir 180 Muttersauen das ist für die Schweiz ein sehr großer Betrieb. Weiter gab es dort 20 Zuchtsauen für die Eigenremontierung sowie einen Flatdeck mit 600 Plätzen. Die Sauen haben Sommer wie Winter Außen Auslauf und werden mit Silage gefüttert. Der Betrieb Heller kastriert seine Ferkel mit Schmerzausschaltung und Betäubung. Das Fleisch wird nach Schweizer QM Standard produziert und die Ferkel werden über den Handel an feste Mastbetriebe verkauft. 

Das Besondere am Betrieb Heller ist, dass er keinen Hektar Fläche besitzt und seine komplette Gülle abgeben muss. Außerdem bewirtschaften die Hellers noch einen zweiten Betrieb. Dieser beherbergt 80 Sauen und 300 Ferkelplätze. 

  

Gestärkt durchs Mittagessen ging es für uns am Nachmittag auf den Betrieb Armin Bühlmann in Inwil. 

Die Bühlmanns bewirtschaften 35 ha und haben 85 Sauen, 10 Sauen für die Eigenremontierung sowie 450 Flatdeck- und 560 Mastplätze. Als Besonderheiten im Betrieb Bühlman konnten wir sehen, dass die Ferkel mit Schmerzausschaltung kastriert werden und als Schweine im  „BTS und Raus“ System gehalten werden das bedeutet, dass die Stallhaltung besonders freundlich ist und die Tiere Auslauf nach draußen haben. Die Sauen ferkeln frei ab ohne Kastenstände ab. Der Betrieb ist dem IP-Suisse angeschlossen und produziert somit für das Label der Migros. 

Nach einer Einladung zu Grillwurst und einem Feierabend Bier fuhren wir mit dem Bus wieder Richtung Luzern und ließen den letzten Abend gemütlich in der Altstadt ausklingen. Am Samstag ging es dann für uns wieder mit dem Zug Richtung Norddeutschland nach Hause. Im Gepäck viele Eindrücke aus einem kleinen Land die sich in der Schweineproduktion nicht über die Größe sondern ihre individuellen Produktionszweige definieren.